Neue Wege sind gefragt

Die letzten Wochen und Monate haben deutlich gezeigt, dass es in Deutschland immer noch zahlreiche Bereiche gibt, die einen Aufholbedarf haben, wenn es um digitale Lösungen geht. Dass diese rasch und effizient umzusetzen sind, hat die Krise gezeigt. Entgegen zahlreichen Meinungen funktionieren das digitale Arbeiten und das digitale Recruiting gut. Das könnte auch eine Lösung für die immer weniger werdenden Ausbildungsplätze in Deutschland sein. Immerhin rechnet das Bundesinstitut für Berufsbildung für dieses Jahr mit nicht einmal 500.000 neuen Verträgen. Für die Unternehmen bleibt es offenbar auch weiterhin schwierig neue Azubis zu finden. Das duale Ausbildungssystem, auf das Deutschland lange Zeit zu Recht stolz war, leidet nicht nur unter der Wirtschaftskrise.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat ein Szenario errechnet, das Probleme aufwerfen wird, wenn es denn Realität werden sollte. Offenbar planen immer mehr gut qualifizierte Jugendliche einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen und auf eine Berufsausbildung zu verzichten. Das bedeutet es kommen in Folge weniger Ausbildungsverträge zustande und die Situation Stellen in Unternehmen zu besetzen wird sich weiter verschärfen. Spätestens jetzt sollten in der deutschen Wirtschaft die Alarmglocken läuten, neue Wege sind gefragt. Einen Ausweg aus der Misere könnte das digitale Recruiting von Azubis bieten.

Immer weniger Verträge

Derzeit gehen die Wirtschaftsforscher von einem Rückgang des Wirtschaftswachstums von sieben Prozent für das Jahr 2020 aus. Durch die verminderte Nachfrage wird auch die Zahl der Neuabschlüsse von Ausbildungsverträgen auf bis zu 460.000 fallen. Sollte der Konjunktureinbruch zweistellig ausfallen, dann ist damit zu rechnen, dass noch weniger Azubis ihre Ausbildung antreten werden können. Das ist eine dramatische Entwicklung, wenn man bedenkt, dass noch im Jahr 2019 mehr als 525.000 Ausbildungsverträge auf 578.000 Ausbildungsplätze kamen. Die Bundesregierung hat die Dramatik der Situation bereits erkannt und ein Konjunkturpaket beschlossen. Dieses sieht Prämien für die Ausbildungsbetriebe vor. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten 2.000 Euro, wenn sie ihr Angebot konstant halten. Wer mehr Ausbildungsplätze als bisher anbietet, kassiert sogar 3.000 Euro für jeden zusätzlichen Vertrag. Zusätzlich dürfen sich Unternehmen über weitere Prämien freuen, wenn sie Azubis aus insolventen Firmen in den eigenen Betrieb übernehmen, auf Kurzarbeit verzichten oder für andere Unternehmen ausbilden.

Immer weniger Verträge
Immer weniger Verträge

Jetzt eine digitale Offensive starten

Doch all dem stehen stark eingeschränkte Möglichkeiten gegenüber neue Azubis überhaupt zu finden. Die Ausbildungen starten am 1. August oder am 1. September. Bis dahin sind voraussichtlich Azubi-Messen, Praktika oder Tage der offenen Tür nicht möglich. Mit den folgenden digitalen Möglichkeiten können Unternehmen interessierte Azubis direkt ansprechen: Sie sollten über ihre Webseite und Social-Media-Kanäle offen kommunizieren, dass sie Azubis suchen. Dort sollten bereits der genaue Ablauf, alle Inhalte und Bewerbungsmodalitäten, sowie ein Ansprechpartner mit Kontaktmöglichkeit abrufbar sein. Ein digitaler Auswahltest ermöglicht es dem Unternehmen eine Vorauswahl zu treffen. Dieser sollte per Link an die Bewerber versandt werden können. Das Ausbildungsangebot kann man auch auf digitalen Events bekannt machen. Die bisher bekannten Vorträge in den Schulen und die Betriebsbesichtigungen könnten per Videokonferenzen abgehalten werden. Ein Präsentationsvideo auf der eigenen Webseite und auf Social-Media-Kanälen gibt den möglichen Bewerbern einen guten ersten Eindruck über das Unternehmen und seine Angebote an Azubis. So werden Unternehmen und ihre Ausbildungsplätze auch für die junge Generation attraktiv.

Von Adalger