Immer mehr Azubis geben vorzeitig auf

Die Wirtschaft in Deutschland ist auf gut ausgebildete Arbeitskräfte angewiesen. Der von ihr immer öfter heraufbeschworene Fachkräftemangel wird deutlich sichtbar. Gleichzeitig suchen immer mehr Jugendliche einen Platz als Azubi. Dem gegenüber stehen rund 58.000 freie Stellen.

Das System ist also nicht immer ganz durchschaubar. Gleichzeitig steigt die Unzufriedenheit der Azubis von Jahr zu Jahr an. Diese Tatsache drückt sich auch in der Zahl derjenigen aus, die ihre Ausbildung vorzeitig abbrechen. Ein Viertel der deutschen Azubis gibt vorzeitig auf und verlässt die Firma.

Jeder Vierte will nicht mehr

Diese Quote ist besorgniserregend und mittlerweile wieder auf dem Niveau der 1990er Jahre angelangt. Damals gaben ähnlich viele Azubis in Deutschland vor dem Abschluss auf. Laut dem Berufsbildungsbericht werden pro Jahr 146.000 Ausbildungsverträge aufgelöst, das sind mehr als 25 Prozent. Dabei zeigt sich, dass es zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen große Unterschiede gibt. Den höchsten Anteil an Abbrüchen verzeichneten die Sicherheitsfachkräfte mit über 50 Prozent. Die Verwaltungsfachangestellten kamen hingegen lediglich auf einen Wert von etwas über 4 Prozent. Doch auch Berufe wie Friseur, Koch oder Restaurantfachkräfte konnten sich jeweils zu fast 50 Prozent nicht dazu entschließen ihre Ausbildung zu beenden. Sie alle gaben noch vor der Abschlussprüfung auf. Die Gründe dafür überraschen nicht, wenn man sich etwas näher mit der Thematik befasst hat.

Kritik von beiden Seiten

Dazu zählen etwa die vielfach kritisierte Qualität der Ausbildung, die schlechten Arbeitsbedingungen, Konflikte mit dem Chef oder einfach eine falsche Vorstellung von dem jeweils gewählten Beruf. Hier zeigt sich, dass bei Jugendlichen der Anspruch und die Wirklichkeit im Arbeitsleben oft weit auseinander liegen. Doch auch die Unternehmen selbst gaben Gründe an, warum die Ausbildungsverträge vorzeitig beendet wurden. Sie kritisierten die fehlende Motivation der Azubis, den Unwillen sich in die betrieblichen Abläufe zu integrieren oder gar den mangelnden Willen zur Arbeitsleistung. Dazu muss man anmerken, dass der Abbruch eines Ausbildungsvertrages nicht immer automatisch dazu führt, dass der Beruf nicht weiter erlernt wird. Da das Angebot an offenen Azubi-Stellen steigt, können Bewerber auch die Firma wechseln.

Kritik von beiden Seiten
Kritik von beiden Seiten

Mehr Geld, mehr Leistung?

Ein weiterer wichtiger Grund für die Auflösung von Ausbildungsverträgen ist sicherlich auch die Bezahlung. Wer besonders wenig bezahlt, verliert am schnellsten seine Azubis. Das hat die zuständige Gewerkschaft festgestellt. Wenn ein Azubi erst einmal feststellt, dass er mit der Vergütung, die er erhält, nicht leben kann, gibt er vorzeitig auf. Dem könnte eine Mindestvergütung entgegenwirken, zeigten sich die Arbeitnehmervertreter in der Vergangenheit überzeugt. Diese wurde im Vorjahr gegen den Widerstand der Wirtschaftsverbände beschlossen und ist nun seit 1. Januar 2020 in Kraft. Sie beträgt im ersten Ausbildungsjahr 515 Euro. Im Jahr 2021 wird sie auf 550 Euro ansteigen und im Jahr darauf kommen 585 Euro zur Anwendung. 2023 steigt der Tarif schließlich auf 620 Euro. Im zweiten, dritten und vierten Ausbildungs-Jahr steigt die Vergütung um 18 Prozent, 35 Prozent und 40 Prozent im Vergleich zur Vergütung des ersten Jahres. Davon profitiert jedoch nicht jeder Azubi. Die bereits laufenden Altverträge gelten weiterhin.

Von Adalger