Immer weniger Jugendliche haben Lust Azubi zu werden

Azubis bilden den dringend benötigten Nachwuchs an Fachkräften in Deutschland. Keine Branche kommt ohne sie aus, schließlich sind gut ausgebildete Mitarbeiter sehr gesucht. Doch leider haben immer wenige Jugendliche Lust auf diese Form der Ausbildung.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Azubis beklagen die schlechte Vorbereitung auf die Digitalisierung, niedrige Gehälter und die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft durch Unternehmen. Trotz aller Bemühungen und Innovationen, wie dem Azubi-Speed-Dating, bei dem sich angehende Auszubildende und Unternehmen kennenlernen können, droht das deutsche Azubi-Modell zu wanken.

Diese Aussichten lassen für den Wirtschaftsstandort Deutschland nichts Gutes befürchten. Immer mehr Azubis beschweren sich, dass ihre Ausbildung weit am Thema vorbeigeht. Die Gewerkschaften registrieren mehr und mehr Hinweise, dass die angehenden Fachkräfte zu billigen Reinigungsfachkräften degradiert werden und nicht die erforderlichen Kenntnisse für ihren Beruf erwerben können. Diesen Eindruck stützt auch der Ausbildungsreport 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbundes. An dieser repräsentativen Befragung haben deutschlandweit immerhin 16.000 Azubis aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen teilgenommen. Das Ergebnis gibt Anlass zur Sorge.

Fast ein Drittel ist unzufrieden

Zum ersten Mal überhaupt sind mehr als 30 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung nicht zufrieden. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen springen dabei ins Auge. Während die Mechatroniker, die Verwaltungsfachangestellten und die Industriemechaniker mit dem, was sie lernen überdurchschnittlich zufrieden sind, sieht es bei den Köchen, zahlreichen Handwerkern und Hotelfachleuten eher schlecht aus. Sie sehen ihre Ausbildung als mangelhaft an und würden diese gerne verbessert sehen. Diese Zahlen erscheinen auf den ersten Blick seltsam. Schließlich klagt die Wirtschaft seit vielen Jahren über den sogenannten Fachkräftemangel. Zahlreiche Stellen bleiben noch immer unbesetzt. In Deutschland sind das immerhin 58.000. Es sollte daher im eigenen Interesse der Unternehmen liegen, möglichst zufriedene Azubis in ihren Reihen zu haben, um den Fachkräftemangel aus eigener Kraft beheben zu können. Sieht man sich die Gründe für die Unzufriedenheit etwas genauer an, dann kommen interessante Fakten zutage.

Fast ein Drittel ist unzufrieden
Fast ein Drittel ist unzufrieden

Die Gründe sind vielfältig

Seit einiger Zeit müssen die Azubis wieder vermehrt Überstunden machen. Für mehr als ein Drittel der Befragten gehören diese zu ihrem Alltag. Dies gilt übrigens für Auszubildende aus allen Altersstufen. Fast zwölf Prozent der Minderjährigen müssen mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, obwohl dies eigentlich gesetzlich verboten ist. Ein weiterer Punkt betrifft die ausbildungsfremden Tätigkeiten. Auch hier sind rund zwölf Prozent betroffen. Jugendliche bevorzugen feste Arbeitszeiten, das lässt sich mit der dem Dasein als Azubi immer schlechter vereinbaren. Kein Wunder also, dass die Stimmung gedrückt ist. Die Realität am Arbeitsmarkt führt dann in weiterer Folge zu Frust, dieser wird zunehmend ins Privatleben „importiert“.

Die Erholung kommt nach Aussagen der Azubis zu kurz. Damit haben mehr als ein Viertel der Befragten zu kämpfen. Mit ein Grund für die auseinanderdriftenden Erwartungen dürfte sein, dass ein Drittel der Azubis ihre Lehre als Notlösung sieht. Die Ausbildung wurde nicht aktiv angestrebt, sondern mangels Alternative begonnen. All da kumuliert sich so weit, dass nur jeder Zweite Betroffene nach Abschluss seiner Ausbildung seine Firma als Ausbildungsstätte weiterempfehlen würde. Das sind Werte, die zu denken geben müssen. Offenbar fordert die Jugend mehr Engagement und Rücksicht auf ihre Bedürfnisse als Azubis.

Von Adalger